Die Geschichte von Prinzessin Maurelle Märchenglanz, dem schwarzen Baron und dem Drachenprinz

Es war einmal eine böse Hexe. Sie wurde von allen „Lana, die Schreckliche“ genannt. Diese Hexe hielt die schöne Prinzessin Maurelle Märchenglanz, Tochter des Königs Marchius von Märchenhausen, mitsamt ihren Freunden, einem Einhorn, eine Elfe, eine Fee und einen Zwerg gefangen. Ein Kobold wollte seine Freunde und die Prinzessin befreien, aber dabei ward er selbst gefangen.

Der König des Märchenlandes ließ folgendes verkünden: „Jener edle Jüngling, welcher es schafft, meine liebliche Tochter, Prinzessin Maurelle Märchenglanz zu befreien, der soll sie zur Frau bekommen. Von meiner Seite stelle ich als Hilfe unseren royalen Zauberer Jasonius, den Weisen, zur Verfügung. Er soll Euch jedoch lediglich als Wegweiser dienen. Den Hauptpart der Befreiung muss der mutige Jüngling schon selbst übernehmen.“

Keiner ahnte, wer der neue Held des Märchenlandes sein würde. Aber genauso wenig wusste man von den finsteren Plänen des schwarzen Barons. Sein Name war „Trolläus, der Wilde, von Trollinghausen“. Er war, wie man schon dem Namen entnehmen kann, ein Troll. Die böse Hexe Lana war Teil der dunklen Machenschaften. Ihr war von dem Troll befohlen worden, Prinzessin Maurelle und ihr „Anhängsel“, wie er es nannte, zu überlisten und einstweilen gefangen zu nehmen. Der Troll galt als schwarzer Baron von Trollinghausen, der Hochburg für die dunkelsten Gestalten. Keiner seiner finsteren Gefolgsleute wagte es, ihm zu widersprechen. Sein Plan war es, Prinzessin Maurelle mit einem Zaubertrick gefügig zu machen, und sie auf die dunkle Seite der Magie zu ziehen. Maurelle sollte in einen Troll verwandelt, und die schwarze Baronin von Trollinghausen werden.

Damit die schöne Prinzessin Maurelle Märchenglanz und ihr Gefolge nicht so schnell gefunden werden konnte, brachte man sie auf eine Insel, nahe der Grenze zu Trollinghausen, auf der es ganz dunkel zu sein schien. Aber immer wieder waren die armen gefangenen dort von Dunkelalben und Kobolden geneckt und von Irrlichtern geblendet worden, sodass sie sich, bei somanchem Fluchtversuch verirrten.

Zurück ins Märchenland, in die Hauptstadt Märchenheim. Dort gab es einen Drachen, der auf einer verlassenen Burgruine lebte. Sein Name war Frank von Feuerstein. Selbst er bekam von einer Brieftaube die Botschaft des Königs, auch wenn jeder über jenen Drachen etwas anderes sagte. Die einen im Märchenland meinten, der Drache sei furchtbar böse, die Anderen wiederum munkelten, er sei von einer bösen Hexe verflucht, und von einem Prinzen in einen Drachen verwünscht worden. Wie dem auch sei, der König wollte jedem gleichermaßen die Chance geben, unabhängig davon, was sein Volk über einzelne, mögliche Anwärter lästerte und tratschte.

Der Drache Frank Feuerstein ließ erst einmal ein Bisschen Zeit vergehen. Nach einiger Zeit kam wieder königliche Post. Da stand geschrieben:

„Sehr verehrte Jünglinge und Edelmänner! Bisher ist es noch keinem geglückt, meine Tochter Maurelle Märchenglanz und ihr Gefolge zu finden. Ich, König Marchius von Märchenhausen, wende mich mit einem verzweifelten Apell an all jene, die sich noch nicht getraut haben. Bitte, meldet Euch! Einer von Euch wird gewiss der Gewinner sein, und meine Tochter, Prinzessin Maurelle Märchenglanz finden und befreien.“. Dann folgte noch die Unterschrift des Königs.

Jetzt war der Drache Feuer und Flamme. Er wollte es wagen und die Prinzessin befreien, wo auch immer sie sein möge. So schrieb er auf die andere Seite des Blattes: „Ich will es wagen. Bitte schickt mir Euren Zauberer, damit er mir den Weg weisen kann. Vielen Dank!“. Und da kam auch schon eine Brieftaube herbei, um die Rücksendung an den König abzuholen. Prompt wurde Frank Feuerstein zu einem Gespräch ins Königshaus eingeladen. An der Unterredung nahmen sowohl KönigMarchius, als auch der Zauberer Jasonius, der Weise teil. Der König fragte: „Warum willst gerade Du, meine Tochter befreien, und danach zur Frau haben?“. Der Drache erzählte seine Geschichte. Vor einiger Zeit war er von einer bösen Hexe in einen Drachen verwünscht worden. Nur eine Prinzessin könne ihn erlösen.“. „Dann stimmt es doch, Herr König! Das ist der verwünschte Drache.“, flüsterte der Zauberer. Dann wandte er sich dem Drachen zu: „Und, wie denkst Du, kann ich Dich am besten unterstützen?“ „Welche Anhaltspunkte gibt es? Wo könnte die Prinzessin sein?“ Der Drache bekam vom Zauberer und dem König eine Landkarte vorgelegt, auf der eine Insel eingezeichnet war. Diese Insel sah auf der Karte aus, wie ein dunkler, schwarzer Fleck. Der König sprach: „Wir vermuten, dass der schwarze Baron meine Tochter entführt hat. Mein edler Freund, der Zauberer vermutet zudem, dass man sie auf dark Island gefangen hält, direkt an der Grenze zum Lande allen Übels, an der Grenze zu Trollinghausen.“ Der Drache nickte verständnisvoll. „Bitte, Zauberer, besorgt mir einen Zauberumhang, mit dem ich mich unsichtbar der Insel nähern kann. Ich wiederum werde die sieben magischen Weberinnen beauftragen, meinen Plan zu unterstützen. „Welchen Plan habt Ihr, edler Drache?“, wollte der König wissen. „Ich möchte es noch nicht verraten. Jedoch ist gewiss, Majestät, es soll nur zum Besten für Eure Tochter und ihr Gefolge sein!“

Vom Zauberer bekam er den Umhang und so flog der Drache los in den Zauberwald, wo die sieben magischen Weberinnen wohnten. Diese Feen hatten die Aufgabe, Netze zu weben, die man für alle möglichen Zwecke gebrauchen konnte. Rund um den königlichen Palast war zum Beispiel ein festes Schutz- und Sicherheitsnetz gespannt. Die Prinzessin konnte nur deshalb entführt werden, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt außerhalb der schützenden Palastmauern aufhielt. Gehilfinnen der 7 Weberinnen waren viele, viele Spinnen. Frank Feuerstein brachte also seine Bitte vor: „Ich möchte die Prinzessin unseres Landes befreien. Bitte begleitet mich und helft mir, meinen Plan in die Tat umzusetzen. „Der Umhang ist groß genug, da passe ich und noch einige Spinnen darunter. Wichtig ist, dass man uns nicht sieht, wenn wir auf Dark Island ankommen.“ So gaben die sieben Weberinnen einige Spinnen als Gefolge für Frank Feuerstein mit. Die Weberinnen hatten bereits vom König und seinem Zauberer erfahren, dass ein Drache sie aufsuchen, und um Hilfe bitten würde, damit er die Königstochter befreien könne.

Der schwarze Baron war noch am selben Abend auf dark Island angekommen. „Na, Hexe, hast Du mein Schätzchen und sein Anhängsel gefangen? So können wir morgen gleich in der Früh mit der Verwandlung beginnen, und dann ist die schöne Königstochter Maurelle mein! Mein! Mein!“, dies wiederholte er mehrmals inbrünstig und lachte schadenfreudig. Dann ließ sich Trolläus, der Wilde, Baron von Trollinghausen, von der Hexe zu den Gefangenen, und vor allem, zum Objekt seiner Begierde führen. Als der Baron die Prinzessin berühren wollte, fuchtelte sie wie wild und erhob ihre Stimme: „Ich will Euch nicht, schwarzer Baron! Und lasst uns gefälligst frei!“ „Och, nicht doch! So böses Geschrei passt doch gar nicht zu solch lieblichem Antlitz, Prinzessin!“, schmeichelte der Baron. Maurelle schüttelte jedoch nur mit dem Kopf und grummelte: „Na ja, Ihr werdet schon sehen. Bald ist mein Erlöser nahe. Das spüre ich!“ Er aber lachte nur und sprach: „Ich, Schätzelchen, ich bin Dein Erlöser! Euer Erlöser! Siehst Du nicht, wie versteinert Dein Gefolge da steht und liegt?“ Und richtig. Das Einhorn, die Elfe, die Fee, der Zwerg und der Kobold waren alle, von Lana, der Schrecklichen, versteinert, in Steinskulpturen verwandelt worden, damit sie reglos blieben, und der Prinzessin nicht helfen konnten.

Kaum hatten sich der schwarze Baron und die Hexe zur Ruhe begeben, traf der Drache mit seinen Helferinnen auf Dark Island ein, unsichtbar versteht sich. Den ganzen Tag waren sie unterwegs gewesen. Kaum waren sie gelandet, sagte Frank Feuerstein: „Psssst, leise, bleibt noch unter dem Umhang, bis ich Euch meinen genauen Plan geschildert habe. Wie ich weiß, seit Ihr flinke Weberinnen. Seid so gut und webt um den Troll und die Hexe herum dichte Netze. Wenn sie morgen Früh erwachen, und sich daraus befreien wollen, soll es ihnen nicht gelingen, im Gegenteil, sie sollen sich immer mehr in den Netzen verfangen.“ Die Spinnen gehorchten. Der Drache jedoch dachte bei sich: „Morgen, schönste Prinzessin, werden wir alle erlöst, Du, ich, und Dein Gefolge.“ Danach hüllte er sich in seinen Zauberumhang, um unsichtbar zu bleiben, und schlief ein.

Im Morgengrauen kamen die Spinnen zum Drachen und weckten ihn. „Drache! Drache! Wir haben es geschafft! Die Bösen sind gefangen!“ Grunzend und schnarchend richtete sich Frank Feuerstein auf und brummelte: „Was? Schon fertig?“ Die Spinnen nickten eifrig. „Dann ruht Ihr Euch nun auch aus. Am Morgen kommt für mich der große Befreiungsschlag.“ Vorsorglich bewegte sich der Drache zum Baron, um dessen magisches Schwert zu klauen, damit dieser nicht in Versuchung kommen könne, sein Gefängnis aufzuschneiden.

Am nächsten Morgen erwachte zuerst die Hexe. Sie zappelte herum. „Heh! Was soll das! Hilfe! Baron von Trollinghausen! Herbei und hilf mir!“ Der Baron neben ihr erwachte und zappelte ebenfalls. „Mist! Wir sitzen in der Falle! Wer ist da?! Melde Dich, du Feigling! Der Drache kam brüllend und schnaubend auf die, in Spinnennetzen gefangenen Gestalten zu, ließ Funken und Flammen aus seiner Nase und seinem Mund sprühen, bis die Netze, und schließlich auch der dunkle Baron und die Hexe in Flammen standen. Sie starben eines qualvollen Todes und wurden von dem Drachen, als gegrillte Hexe und gegrillter Troll gefressen. Somit hatte sich Frank Feuerstein auch die magischen Fähigkeiten der Kreaturen einverleibt, wobei Frank sich schwor, seine erworbenen Fähigkeiten nur für gute Zwecke zu gebrauchen.

Er hatte die Bösen besiegt.

Satt und zufrieden, wie er nun war, ging der Drache zur Prinzessin, die in diesem Augenblick gerade die Augen aufschlug. Aber im ersten Moment erschrak sie, als sie den Drachen vor sich sah und rief: „Oh nein! Ein böser Botschafter vom dunklen Baron!“ „Fürchte Dich nicht, schönste Prinzessin. Ich bin gekommen, um Dich aus den Fängen der Hexe und des bösen Barons zu befreien. Außerdem sind die Beiden eines qualvollen Todes gestorben!“ Aber die Prinzessin weinte bitterlich, weil ihre Freunde, ihr Gefolge noch immer versteinert war. Der Drache berührte mit dem Zauberstab der Hexe die Skulpturen und siehe da, sie erwachten wieder zum Leben. Prinzessin Maurelle richtete sich auf, umarmte Frank Feuerstein und küsste ihn. Aber, was war das? Maurelle staunte. Vor ihr stand kein Drache mehr, sondern ein stattlicher Prinz.

Der Zauberer aber, hatte aus der Ferne, über seine Zauberkugel die Taten des Drachen verfolgt, und so auch seine Erlösung, durch den Kuss der Prinzessin mitbekommen und meldete dies schleunigst dem König. Eine prächtige Kutsche, vor die man Pegasusse gespannt hatte, damit sie fliegen konnte, brachte den Prinzen, die schöne Prinzessin Maurelle, mitsamt Gefolge und die fleißigen Spinnen ins königliche Schloss. Es wurde eine prachtvolle Hochzeit gefeiert, mit vielen Ehrengästen.

Prinz Frank bekam das Privileg, beim Zauberer Jasonius, dem Weisen, Zauberlehrling zu werden. Außerdem heiratete er die schöne Prinzessin Maurelle Märchenglanz und bestieg nach dem Tode des Königs Marchius den Thron. Er wurde stets „Frank, der Friedliche, von Märchenhausen“ genannt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute, im prächtigsten Palast des Märchenlandes.

11./12.05.2020

Eine Gesprochene Version der Geschichte kommt morgen. Heute war das Umfeld immer zu laut, um in Ruhe aufzunehmen.

Geschichte für die a.b.c-Etüden – eine Hexe und ihr Wunsch nach moderner Fortbewegung

Link zu Christianes Schreibeinladung.

3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Diesmal sind es die Begriffe:

Teppich

gläsern

flattern

Hexe Lindruna hatte es satt, ständig mit dem Besen durch die Gegend zu fliegen. Ja, sie wollte eine moderne Fortbewegungsmöglichkeit in der Luft.

Draußen vor ihrem Hexenhaus hörte sie im Zauberwald ein flattern. Schließlich klopfte jemand ans Fenster. Lindruna öffnete. Eine kleine Elfe kam herein. Diese wirkte zart und zerbrechlich, ja, fast gläsern.

„Du hast nach mir geschickt, liebe Lindruna?“, fragte die Elfe und nahm auf ihrer Hand Platz. Lindruna nickte und meinte: „Ja, meine Liebe. Hör Dich mal im Wald unter den Waldgeistern um, und sammle für mich Ideen, wie ich meine Art zu reisen und zu fliegen modernisieren könnte.“

„Liebe Herrin der Magie“, begann die Elfe, „umhören ist nicht mehr notwendig, denn ich habe selbst eine Idee.“

Lindruna horchte auf und sprach: „Nun denn, verrate es mir, bitte.“

„Tief im Wald leben die magischen Weberinnen. Dies sind Feen, welche ganz besondere Werke herstellen.“

„Hach, warum bin ich denn nicht früher drauf gekommen? Ja klar, ein fliegender Teppich ist für eine Hexe schon etwas sehr Modernes. Bitte fliege hin, und gib einen Teppich für mich in Auftrag. Er soll bunt, in allen Farben des Regenbogens sein. Und am Rand sollen lauter Glöckchen angebracht werden, sodass es unüberhörbar ist, wenn ich unterwegs bin.“

Gesagt, getan. Die Elfe flog zu den magischen Weberinnen, gab einen fliegenden Teppich in Auftrag, so wie ihn sich die Hexe vorstellte, und bald schon konnte Hexe Lindruna ihren alten, faden Besen gegen einen neuen, modernen und bunten fliegenden Teppich eintauschen

244 Wörter.

a.b.c-Etüde Auszeit mit Freundinnen

Christiane lädt auch 2020 wieder zu den a.b.c-Etüden ein. Hier geht es zur aktuellen Schreibeinladung. Drei Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Diesmal sind die Begriffe: Skiurlaub,

mickrig,

kommandieren

zu verwenden.

Helena freute sich. In diesem Winter würde sie das erste Mal, ohne Kinder und Mann wegfahren. Nur sie, und ihre Freundinnen Lisa und Tanja.

Viel zu oft ließ sie sich von ihrem Mann und den beiden Kindern herum kommandieren. „Tu dies, tu das, tu jenes.“. Aber mal selbst im Haushalt Hand anzulegen, daran dachte niemand. „Die sollen nur mal merken, was sie an mir haben. Eine ganze Woche müssen sie ohne mich zurecht kommen.“ Ein schadenfreudiges Lachen entfuhr ihr.

Die Auszeit mit Freundinnen, der gemeinsame Skiurlaub hatte begonnen. Das Skigebiet bot ein herrliches Ambiente, bei Kaiserwetter. Anfangs fühlte sich Helena noch ausgelaugt und mickrig, doch in dieser Woche konnte sie es sich so richtig gut gehen lassen, und Energie tanken.

Am Ende war Helenas Familie froh, als sie wieder nach Hause kam und sie sagten: „Jetzt, in der Woche Deiner Abwesenheit ist uns erst so richtig bewusst geworden, was Du jeden Tag für uns leistest.“

In Zukunft war alles anders. Die Zeit, wo sich Helena alleine durch den Haushalt arbeiten musste, und herum kommandiert wurde, war vorbei. Jetzt half die ganze Familie mit. Eines Tages sagte Helena: „Ich danke Euch! Ich habe die beste Familie der Welt!“

Geschichte bestehend aus 196 Wörtern.

Waldbeeren als Seelennahrung oder der strenge Förster – Geschichte für die A.B.C Etüden

Die nachfolgende Geschichte ist für die a.b.c-Etüden von Christiane. 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Begriffe diesmal lauten:

Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben.

Meine Geschichte besteht aus 294 Wörtern.

Emilia joggte durch den Wald. Langsam wandelte sich die Natur in den Herbst. Emilia’s Beziehung zur Natur war ambivalent. Einerseits liebte sie den Frühling und den Sommer, wo alles blühte, und es warm war, und andererseits verabscheute sie die Dunklen und kalten Jahreszeiten. Regelmäßig verfiel sie in eine Winterdepression, konnte sich in diesen Monaten zu nichts aufraffen. Alles ging dann so schwer von der Hand.

An einer Lichtung fand sie noch einen Hauch von Sommer, viele saftige Waldbeeren. „Mist! Nun habe ich nichts mit, um die Beeren einzusammeln. Ich muss wieder hierher.“

Am nächsten Morgen brach Emilia erneut auf. Erwartungsvoll, mit einer kindlichen Freude, lief Emilia durch den Wald, bis sie an jener Lichtung anlangte. Sie pflückte und pflückte.

Plötzlich rief eine Männerstimme hinter ihr: „Lassen Sie das!“ Erschrocken blickte Emilia sich um. Ein Mann stand hinter ihr und funkelte sie an. „Guten Tag! Was habe ich falsch gemacht? Ich wollte doch nur Beeren pflücken, als Seelennahrung für den Winter.“ Der Mann funkelte weiter böse und sagte: „Sie gierige Person! Sehen Sie es nicht? Sie haben die Beerenlichtung kahl geplündert. Nun ist fast nichts mehr da, damit die Tiere des Waldes noch Nahrung für dem langen, kalten Winter finden können!“ Emilia erschrak. Tatsächlich war kaum mehr was übrig. „Entschuldigung, es… es… es war eine Verzweiflungstat. Ich mag die kalte Jahreszeit nicht.“, stammelte sie. „Diese Egoisten und ihre faulen Ausreden!“, grummelte der Förster. „Nichts für Ungut, das nächste Mal pflücke ich weniger.“, sagte Emilia peinlich berührt, nahm das Gefäß mit den Beeren und lief schnellstmöglich nach Hause.

Ein Teil der Beeren wurde zu Marmelade verarbeitet, den anderen Teil fror sie einstweilen ein.

In jedem Fall ließ es sich den kommenden Winter besser aushalten. Mit den Beeren konnte sie sich stets dem Geschmack des Sommers hingeben.

Die Blume, das Mädchen und der Schmetterling – eine sommerliche Kurzgeschichte

Es war ein heißer Sommertag. Auf der Wiese stand eine Blume. Sie ließ den Kopf hängen. Menschen gingen vorbei, durch den Park, redeten miteinander, starrten auf ihre Smartphones, tröhnten sich die Ohren mit lauter Musik zu, usw. Dabei sangen doch die Vögel so schön ihre Sommerlieder. Sommerblumen blühten duftend. „Sind die Menschen blind für die Schönheit der Natur geworden?“, fragte sich die Blume traurig. „Mach Dir über die Menschen nicht zu viele Gedanken. Sie sind nur daran interessiert, die Natur auszubeuten!“, brummte ein Marienkäfer, der an der Blume und der Wiese vorüber flog. Da ließ die Blume nur noch mehr den Kopf hängen. „Wenn ich könnte, würde ich jetzt weinen!“

Am nächsten Morgen landete ein wunderschöner Schmetterling auf der Blume. Er sprach: „Na, so traurig, Blumenfreundin?“, und die Blume nickte. Aber bevor die Blume noch mehr sagen konnte, stöhnte der Baum über ihr: „Uns ist allen heiß. Da muss man doch nicht traurig sein. Und der nächste Regen kommt bestimmt.“ Der Baum lachte freundlich zur Blume und dem Schmetterling herunter. Die Blume konnte nur müde zurück lächeln.

Vorsichtig umschlang der Schmetterling die Blume mit den Fühlern, so als wollte er sie umarmen. „Dein Grund für die Traurigkeit ist aber bestimmt nicht die Sommerhitze oder, Wiesenblümchen?“, fragte der Schmetterling sanft. „Nein, ich bin traurig, weil die meisten Menschen zu wenig die Natur achten. Sieh Dich nur mal um! Viele meiner Blumenschwestern sind zertrampelt. Zwischen uns Blumen liegt der Müll, den sie auf ihren Ausflügen zurück lassen. Sieh nur, sieh! Und da soll man nicht traurig sein? Mir als Blume schenkt man auch keine Beachtung. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich auch zertrampelt bin, wie meine Weggefährten.“

Kurz nachdem die Blume dem Schmetterling den Grund ihrer Traurigkeit erzählte, kam ein Mädchen auf die Wiese. Zuerst erblickte sie den Schmetterling, dann die Blume und sagte: „Oh, wie schön wäre diese Blume, wenn ihr Köpfchen aufrecht am Stengelchen sein würde! Nicht wahr, lieber Schmetterling?“ Es schien so, als würde der Schmetterling dem Kinde zunicken. Achtsam sah sich die Kleine weiter um und entdeckte den Müll, von dem die Blume gesprochen hatte. „Ach, mir ist eh langweilig, da kann ich wenigstens der Natur etwas gutes tun, und etwas aufräumen.“, sagte das Mädchen zu sich. Und so ging die Kleine mehrmals hin und her, um den Müll einzusammeln, und diesen in die ohnehin vorhandenen Mülleimer zu entsorgen. Dann ging sie zur Blume hin, strich ihr über die Blütenblätter und sagte: „Nun sei nicht mehr traurig. Ich hab Dich lieb, und alles in der Natur. Bei uns Menschen sagt man, um jemanden aufzumuntern, Kopf hoch! Und das gilt auch für Dich, Wiesenblume, Kopf hoch!“

Schließlich blickte die Kleine zum Himmel und sagte:

„Ach, lieber Gott, lass es bitte heut noch regnen,

sollst Blumen und Pflanzen mit Wasser segnen.

Müll weggeräumt hab ich,

nun bitt ich Dich,

wasch Du alles

mit kostbarem Regen rein,

damit danach die Natur in neuem Glanz erstrahlt,

im hellen Sonnenschein.“

Und wahrhaftig! Zum Abend hin zogen dunkle Wolken auf. „Für heute verabschiede ich mich, Blumenfreundin.“, sagte der Schmetterling und flog davon, um sich vor dem nahenden Regenwetter in Sicherheit zu bringen.

Es war aber nicht nur ein Regenwetter, nein, ein richtiges Sommergewitter fegte laut und reinigend über die Wiese hinweg, welches bis in die Nacht hinein andauerte.

Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne. Die Blume reckte und streckte sich. Es fühlte sich alles so rein und frisch an. „Ja, nun will ich aufrecht in der Wiese stehen. „Schmetterling! Wo bist Du?! Sieh mal, wie frisch und rein alles ist!“, rief die Blume. Und wie durch ein Wunder brachte der nährende Regen neue Wiesenblumen hervor, die sich plötzlich aus der Erde trauten. Sie nickten fröhlich mit den Köpfen.

Da kam das Mädchen wieder. Der Schmetterling setzte sich ihr auf die Schulter und flüsterte ihr ins Ohr: „Danke, dass Du meine Blumenfreundin wieder glücklich gemacht hast.“ Sie lächelte. Und in diesem Moment konnte man nicht genau sagen, wer schöner lachte, die Sonne, oder das Kleine Mädchen.

24.07.2019

Die Verzauberten Kostüme – Geschichte für die a.b.c-Etüden

Mit der nachfolgenden Geschichte, bestehend aus 294 Wörtern, beteilige ich mich an den a.b.c-Etüden von Christiane. Drei vorgegebene Begriffe sollen in maximal 300 Wörtern untergebracht werden. Die Begriffe diesmal sind:

Froschkönig

trüb

helfen,

und eine Wortspende von Viola und ihrem Blog Viola-et-cetera.

Lea’s Wunsch für ihren 10. Geburtstag, eine Kostümparty.

Lea ging mit ihren Eltern Kostüme aussuchen. Lea wählte ein Elfenkostüm. Vater entschied, sich als Froschkönig zu verkleiden. Mutter wählte ein Hexenkostüm.

Zuhause probierten sie nochmals die Kostüme. Zufrieden küsste Mutter ihren Prinzen, aber auweia! Vater verwandelte sich plötzlich in einen Frosch.

„Oh nein, Papi, ein Frosch! Du bist wirklich Hexe Mami!“

„Quak! Ich brauche Wasser!“

Ein erneuter Kuss machte die Verwandlung leider nicht rückgängig, was Mutter und Tochter inständig hofften.

„Ich nehme Papi mit, setze ihn in den Teich im Wald und hole Hilfe.“

„Wer sollte uns helfen Lea?“

„Vielleicht eine Waldfee.“

„Versuche Dein Bestes.“

Lea musste nicht weit laufen, da war schon ein Teich. Der Himmel war trüb, als wolle er im nächsten Augenblick zu weinen beginnen. Vorsichtig setzte sie ihren Vater ins klare Wasser, und lief dann tiefer in den Wald.

Lea kam zu einem Waldhäuschen. Sie klopfte.

„Wer da?“

„Ich bins, Lea, und brauche Hilfe!“

Die Türe öffnete sich. Da stand eine Frau, deren Aussehen einer Hexe ähnelte.

„Ich bin Vanessa Wackelzahn. Was brauchst Du?“

Lea erzählte, was geschehen war. Die Hexe lachte.

„Ich habe letztes Halloween viele Kostüme dieses Ladens mit einem Zauber belegt, unter anderem das Hexen- und das Froschkönigkostüm.“

„Gib mir meinen Papi zurück!“

„Nur, wenn ich Dich als Elfe, und Gehilfin behalten darf.“

Lea nickte, hatte im Hinterkopf jedoch einen Plan.

Vanessa Wackelzahn und Lea gingen zum Teich. Da lugte schon der Vater heraus. Vanessa Wackelzahn stieg hinein und küsste ihn. Augenblicklich war er erlöst, stieg als hochgewachsener Mann aus dem Teich.

Ehe die Hexe heraus konnte, sprang Lea hinein, drückte sie unter Wasser, bis von ihr kein Laut mehr zu hören war.

Mit dem Tode der Hexe erloschen alle Zauber, die sie an den Kostümen vorgenommen hatte.

Nestus und Nuria, eine Zwergenkurzgeschichte

Nestus und Nuria
eine Zwergen-Kurzgeschichte
„Nuria, lauf nicht in den Wald!“, rief die Mutter. „Ich will aber!“, meinte Nuria. Die Mutter erwiderte: „Alleine gehst Du mir nicht in den Wald, dafür bist Du noch zu klein.“
Großmutter mischte sich ein und entgegnete: „Lass Nuria gehen. Wie Du und Deine Schwester noch Kinder wart, Ihr seid oft den ganzen Tag im Wald gewesen und Abends wieder heim gekommen. Und wenn Nuria groß ist, wird sie ihren eigenen Weg gehen.so viel ist fix. Du kannst sie nicht ewig beschützen.“ Also gab die Mutter doch das Okay, aber Nuria musste versprechen, bei Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein.
Freudig lief Nuria in den Wald. Eine Zeit lang folgte sie dem Waldweg. Doch dann sah sie abseits des Weges einen Höhleneingang. Neugierig nahm Nuria die Abweichung vom sicheren Waldweg in Kauf.
Nun stand das Mädchen vor dem Höhleneingang. „Ah, ein Menschenkind!“, rief eine piepsige Stimme aus der Höhle. Nuria erschrak. „We… we… wer ist da?“, stammelte sie. Niemand antwortete. Vorsichtig ging sie weiter. „War das eine sprechende Maus?“, fragte sie sich und musste lachen.
Der Weg begann, enger zu werden. Obwohl sie noch recht klein war, musste Nuria auf allen Vieren in die Höhle kriechen. „Hallo sprechendes Mäuschen, wo bist du!?“, rief sie lachend und es hallte.
„Halt! Nicht weiter kriechen, Menschenkind.“, hörte Nuria erneut die Stimme. Sie setzte sich auf den Boden und wartete ab, was nun geschehen sollte. Da tauchte ein Männchen auf und sagte: „Grüß Dich. Ich bin Zwerg Nestus. Dies ist ein Zwergenhaus. Wärest Du weiter gekrabbelt, wärest Du in unsere Privaträume gekommen. Die zeige ich Dir allerdings erst, wenn wir uns besser kennen. „Zwerg? Mama meinte einmal, Zwerge, Feen und Elfen gibts gar nicht, nur im Märchen.“ Nestus meinte seufzend: „Viele Erwachsene haben den Zugang zur Natur verloren. Sie halten nur das für wahr, wass sie sehen, und wissenschaftlich begründen können. Wenn ich Dir einen Rat geben darf, bewahre Dir stets ein Stück Kindheit, auch wenn Du bereits erwachsen bist.“ „Danke, Nestus, das mache ich. Ich bin übrigens Nuria.“ „Oh, was für ein schöner Name!“, rief Nestus.
Für heute war die Zeit des Abschieds gekommen. Nuria versprach, wieder zu kommen. Nestus überreichte ihr ein Säckchen. „Grabe diese 4 Kartoffeln im Garten ein. Eine im Osten, die Zweite im Westen, Nr. 3 im Süden, und Nr. 4 im Norden.“ Nuria bedankte sich artig, verabschiedete sich und kehrte um.
Zuhause angekommen zeigte Nuria der Mutter sogleich die Kartoffeln. Am nächsten Morgen gruben Mutter und Tochter sie ein.
Die Kartoffeln verwandelten den Garten. Blumen und Pflanzen blühten üppiger, und die Obstbäume/Sträucher trugen so viele Früchte, wie nie zuvor. Einen Teil davon konnte die Mutter sogar am Markt verkaufen, und zu Marmeladen verarbeiten. Dies sicherte Mutter und Tochter ein zusätzliches Einkommen. Sie hatten es gut, waren sie doch stets unter dem Schutz der Naturwesen.
11.06.2019

Alternativ auf Soundcloud

Ein ewiges Geheimnis – Beitrag für die a.b.c-Etüden

Mit der nachfolgenden Geschichte, bestehend aus 294 Wörtern, beteilige ich mich wieder an den a.b.c.Etüden von Christiane. Drei Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Die Begriffe lauten diesmal:

Abweichung, unabwendbar, verengen, und wurden gespendet von Werner Kastens und seinem Blog „mit Worten Gedanken horten“.

Sie lief rastlos durch den Wald, sog die Waldluft tief in sich ein.
Bei jedem Gedanken an die Arbeit, bzw. an die damit verbundenen Veränderungen, begann sich ihre Herzgegend zu verengen. Dabei könnte sie doch in der neuen Abteilung, als Vorgesetzte, mit ihrer Angenehmen Art so viel erreichen. Die Abweichung zwischen ihrem jetzigen Gehalt, und dem Zukünftigen Lohn als Chefin ist auch nicht zu vernachlässigen. Sie könnte sich so viel mehr leisten. Aber Marc war das Problem, ein gut aussehender Mann und Arbeitskollege. Sie hatte sich in ihn verknallt. Er wusste davon nichts. Wenn sie in die Chefetage wechseln würde, wäre die Zusammenarbeit mit ihm vorbei, und sie bekäme ihn nur noch selten zu Gesicht. So lief sie rastlos weiter und weiter.
„Halt! Stehen bleiben!“, rief eine Stimme hinter ihr. sie blieb stehen und drehte sich um. Da stand er, als hätte er geahnt, dass sie sich genau jetzt in diesem Wald aufhielt.
„Oh, sie sind‘s, Frau Arbeitskollegin. Ich habe sie von hinten nicht genau erkannt. Gut, dass Sie stehengeblieben sind. Ansonsten wäre ein Sturz in das Loch im Boden vor Ihnen unabwendbar gewesen.“
Erst jetzt sah sie den Abgrund vor sich. „Puh!“, rief sie aus und ließ sich auf einem Stein nieder. „Warum sind Sie denn wie blind durch den Wald gerast?“, fragte Marc. „Ich bin rastlos, nervös. Sie haben es wahrscheinlich schon gehört. Ich soll in die Chefetage.“ „Ja, habe ich gehört. Kopf hoch, Sie schaffen das!“
Sie kamen beide ein Bisschen ins Gespräch. Marc erzählte ihr von seiner Frau und den Kindern. Sie ließ sich ihre Enttäuschung nicht anmerken. Nun sah sie ein, dass es besser war, in die Chefetage zu wechseln. Sie wollte Marc schnellstmöglich vergessen. Er würde niemals etwas von ihren Gefühlen erfahren. Es sollte ein ewiges Geheimnis bleiben.

Abc.Etüden mein erster Beitrag – Janas Geburtstagsgeschenk

Mit der nachfolgenden Geschichte mache ich erstmals mit, bei den ABC.Etüden, von Christiane, 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Die Begriffe lauten: Malkasten, gleitend, torpedieren.

Die kleine Jana hatte ein Blatt Papier vor sich liegen, und einen Bleistift in der Hand. Ihre Lehrerin meinte immer, sie habe ein besonderes Talent zum Zeichnen. Ja, in der Tat, während sich die meisten Schulkollegen in den Pausen auf dem Schulhof vergnügten, blieb Jana alleine im Klassenzimmer zurück, um zu malen.

„Mutti, ich wünsche mir zum Geburtstag einen Malkasten, mit vielen bunten Farben.“

Die Mutter lächelte ihre Tochter an, mit den Fingern über das Blonde Haar des Mädchens gleitend. Dann sagte sie: „Jana, mein Schatz, ich werde es mit Deinem Vater heut Abend besprechen.“

Der Vater jedoch wollte ursprünglich nicht einwilligen, und das Vorhaben der Mutter torpedieren. Er meinte, Jana solle Bücher lesen, anstatt in Malbüchern und auf Leinwänden herum zu kritzeln, worauf die Mutter entgegnete, man sollte die Talente der Kinder fördern.

Der Vater wiederum meinte genervt, an erster Stelle müsse das Lernen von lesen, schreiben und rechnen stehen, und alles andere sei zweitrangig.

Am Wochenende kamen die Großeltern zu Besuch. Die Großmutter wollte wissen, was sich ihre Enkelin zum Geburtstag wünschte. Mit strahlenden Augen teilte Jana ihrer Oma den Wunsch mit.

Die Großeltern und die Eltern sprachen darüber und so erfuhren die Großeltern von der Abneigung des Vaters. Man kam zur Übereinkunft, dass der Vater seiner Tochter zum Geburtstag Bücher zum Lesen kaufen könne, und die Mutter mit den Großeltern würden Jana die Malutensilien schenken.

Und so waren alle glücklich und zufrieden. Schließlich erkannte der Vater, dass das Zeichentalent sich nicht negativ auf die schulischen Leistungen seiner Tochter auswirkte.

Der Nachtalb, der gut werden wollte – eine Kurzgeschichte

Der Nachtalb, der gut werden wollte

Es war einmal ein Nachtalb. Sein Name war Albrian Gruselfrech. Er und seine Gefährten waren dunkle Gesellen, die den Menschen richtig Angst machen, und die schrecklichsten Träume bringen konnten.

Albrian war bisher der Dunkelste und schrecklichste von allen Nachtalben gewesen. Vor allem liebte er es, kleine Kinder und kranke Menschen im Schlaf heim zu suchen, und zu erschrecken. Es war eine Wohltat für ihn, jemanden vor Angst weinen und schreien zu hören. Dann erst machte er sich aus dem Staub und lachte gruselig.

Doch eines Abends kam alles anders. Es war Vollmond und eine klare Sternschnuppennacht im Sommer. Wenn ein Nachtalb von einer Sternschnuppe getroffen wird, fällt er in Ohnmacht.

Oben auf einem Mondlichtstrahl saß die Sternenfee Rubina Sternschnupp und ließ viele, viele Sternschnuppen vom Himmel fallen. Eine davon traf Albrian genau am Kopf. Sofort stürzte der Nachtalb aus der Luft zu Boden und blieb reglos liegen.

Albinia Nachtschreck, die Königin der Nachtalben wunderte sich, warum alle im Schloss ankamen, nur der, normalerweise zuverlässigste, nämlich Albrian Gruselfrech nicht und nicht kam. So bekamen diesmal alle Anderen Nachtelben die Bösesten und gruseligsten Träume. In alle Himmelsrichtungen flogen die dunklen Wesenheiten dann davon.

Prinzessin Alba Mondschön, eine Traumelfe, den Lichtalben zugehörig, fand Albrian Gruselfrech bewusstlos in der Wiese liegen. Wer weiß, wie viele Sternschnuppen ihn bereits getroffen hatten. Lichtelben können nicht anders, sie sind vom Wesen her so gutmütig, sodass sie sogar im Notfall den Dunkelsten Wesen helfen. Sie nahm Albrian mit ins Mondlichtschloss, wunderte sich aber, wieso sich sein Körper unter dem ständigen Licht der Sternschnuppen, die ihn trafen, noch nicht aufgelöst hatte. Sie handelte aus einem inneren Gefühl heraus, nicht weil Albrian eigentlich böse war, sondern momentan wehrlos und schwach.

Es gab im Mondlichtschloss nur einen einzigen Raum, der ganz dunkel war. Dort legte Alba Mondschön den Bewusstlosen Albrian hinein und verständigte ihre Mutter, Königin Lucina Mondschön. Diese kam hinzu und beugte sich über den Nachtalb. „Mama, schau ihn nicht direkt an, sonst verwandelst Du Dich womöglich in eine Dunkelelfe.“, sagte Alba ängstlich. „Keine Angst, mein Schatz. Der kann keine Zauber ausführen momentan, weil er so schwach ist. Er braucht jetzt die Dunkelheit, um wieder zu Bewusstsein, und zu Kräften zu kommen. Dann sehen wir weiter.“, erwiderte die Mutter. „Und wieso hat er sich bei dem vielen Licht, dass er abbekommen hat, noch nicht aufgelöst?“, fragte Alba verwirrt. „Da muss ich in meinem schlauen Elbenbuch nachsehen, im Abschnitt Dunkel- und Nachtalben.“, sagte die Mutter. Alba blieb bei Albrian und die Mutter verließ den Raum.

„Das Goldene Buch der Elben“, stand am Buchdeckel. Lucina Mondschön blätterte, bis sie zum Abschnitt Dunkelalben und Nachtalben kam. Da stand geschrieben:

„Schauen Sie einem Nachtalb niemals direkt in die Augen. Der böse Zauber der Nachtalben könnte dafür sorgen, dass Sie ebenfalls zum Nachtalb werden.

Sollte ein Nachtalb von Sternschnuppen getroffen werden, führt dies zur Bewusstlosigkeit und schließlich zum Tode, wobei sich der Körper des Nachtalben auflöst, und zu schwarzem Staub wird. Es sei denn, der Nachtalb trägt in sich den Wunsch, die dunkle Seite zu verlassen, um zu den Lichtelben gehören zu können. In diesem Fall löst sich der Körper selbst bei großem Lichteinfluss nicht auf. Die Bewusstlosigkeit eines Nachtalben dauert bis zu 24 Stunden.“

Lucina Mondschön schlug das Buch zu und verstaute es wieder sorgfältig, ehe sie wieder in den dunklen Raum ging, wo Alba bei Albrian Wache hielt. Dort erklärte Lucina ihrer Tochter alles, befahl ihr, weiter bei ihm zu bleiben und ging. Es war schon spät am Abend und sie hatte noch einiges zu tun.

Im Morgengrauen schlug Albrian die Augen auf. Er kam langsam wieder zu Bewusstsein. Alba Mondschön kniff die Augen zusammen, um nicht auf die Idee zu kommen, ihn anzublicken. Leise verließ sie den Raum und suchte ihre Mutter. Königin Lucina Mondschön saß gerade auf der Regenbogen-Therasse und genoss ihren Mondlichtkaffee, als Alba aufgeregt bei ihr ankam. „Mama! Mama! Er kommt zu sich! Komm schnell!“, rief sie. Lucina Mondschön zauderte nicht lange, nahm Alba bei der Hand und schnellen Schrittes gingen sie in den dunklen Raum.

„Wo bin ich hier?“, fragte Albrian. Lucina Mondschön deutete ihrer Tochter, leise zu sein. Die Mutter wollte selbst mit dem Nachtalb reden. Mit geschlossenen Augen beugte sie sich über ihn und antwortete: „Du bist von einigen Sternschnuppen getroffen worden, Nachtalb. Und dennoch hat sich Dein Körper nicht aufgelöst. Ich bin Lucina Mondschön, und meine Tochter Alba hat Dich gefunden und ins Mondlichtschloss gebracht.“ Albrian richtete sich auf. Sein Blick traf geradewegs Alba Mondschön. Sie aber wich seinem Blick aus. „Oh, meine Verehrten Damen, ich bin froh, dass ich endlich aus der Ohnmacht erwacht bin. Wissen Sie, warum sich mein Körper, trotz hohem Lichteinfluss nicht aufgelöst hat?“, sprach Albrian und seine Blicke wanderten prüfend zwischen Mutter und Tochter hin und her. Lucina nickte und Alba antwortete: „Sag Du es uns. Du hast Doch einen Wunsch, nicht wahr?“ Albrian fiel auf die Knie, brach in Tränen aus und schrie es unter Tränen heraus: „Ich will kein Nachtalb mehr sein! Ich möchte zu den Lichtelben gehören! Ich habe es satt, den Kindern schreckliche Träume zu bringen! Ja, ich möchte gut sein, und nur noch schöne, und gute Träume in der Welt, bei den schlafenden Menschen verteilen! Bitte helft mir!“

„Alba, geh in mein Zimmer, und hole das goldene Buch der Elben.“, befahl Lucina. Die Tochter gehorchte und bekam den wertvollen, goldenen Schlüssel für den Schrank, in welchem das Buch lag.

Währenddessen redete Lucina Mondschön beruhigend auf den Nachtalb ein: „Schon gut, Du musst nicht mehr weinen. Ich werde sehen, was ich für Dich tun kann, um Dich vom Zauber der Dunkelalben zu erlösen, damit Du voll und ganz ein Traumelf, für schöne Träume sein kannst. Aber sag mir, wie heißt Du denn?“ „Mein Name ist oder war, Albrian Gruselfrech.“ „Albrian klingt ja ganz nett, nur brauchst Du als Lichtalb einen neuen Nachnamen.“ Albrian nickte nur.

Kurz darauf kam Alba mit dem Buch. Die Mutter bedankte sich und schlug das Buch auf. Da stand geschrieben:

„Erlösungszauber für Nachtalben, die der lichtvollen Seite angehören wollen:

Der Nachtalb muss zuerst glaubhaft seinen Wunsch äußern, nicht mehr zu den Bösen Nachtalben gehören zu wollen. Die Person bzw. das Wesen, welches den Nachtalb bewusstlos aufgefunden hat, muss folgende Schritte durchführen, um den Nachtalb zu erlösen:

der Nachtalb und der Finder/die Finderin müssen sich tief in die Augen sehen.

Das Lichtwesen fixiert mit dem Blick den Nachtalb und spricht folgenden Zauberspruch: „Sternenglanz und Mondenschein, Nachtalb sollst nun Lichtalb sein. Willst Du dem Lichte ewiglich die Treue schwören, so ist gewiss, dass Du für immer wirst zu uns gehören.“

Um den Zauber zu vollenden, muss das Lichtwesen, z.B. die Lichtelfe den Dunkel- bzw. Nachtalb küssen.

Der Zauber ist geglückt, wenn der Nachtalb kurz danach nochmals für ein paar Minuten bewusstlos wird. Nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit sollte man die Verwandlung klar erkennen können.“

Lucina Mondschön seufzte. „Du musst es also machen, Alba, mein Kind.“ Alba nickte.

Albrian stellte sich vor sie hin, und sie blickten sich in die Augen. Dann im zweiten Schritt fixierte Alba ihn und sagte voller Inbrunst den Spruch:

„Sternenglanz und Mondenschein, Nachtalb sollst nun Lichtalb sein. Willst Du dem Lichte ewiglich die Treue schwören, so ist gewiss, dass Du für immer wirst zu uns gehören.“

Schließlich küsste sie den Nachtalb. Danach fiel er zu Boden und rührte sich nicht. „Es ist geglückt!“, flüsterte Alba aufgeregt.

Wenige Minuten später erwachte Albrian. Ein sanfter Schimmer umgab ihn. „Ich hab‘s geschafft!“, rief er erleichtert aus, umarmte dann zuerst Alba und dann ihre Mutter Lucina voller Freude.

In der großen Halle des Mondlichtschlosses hatten sich alle Traumelfen versammelt. Ein Traumelf kam auf Albrian zu und begrüßte ihn mit den Worten: „Hi, Du bist wohl der Neue!“ Albrian nickte. „Ich bin Traumello Schlafewohl. Ich soll Dich in der ersten Zeit begleiten. Ähm, einen neuen Zweitnamen brauchen wir auch noch für Dich. Hast Du eine Idee?“ Albrian gab Traumello die Hand und erwiderte: „Freue mich sehr, Dich kennen zu lernen. Nun, da ich zukünftig nur noch schöne Träume an die Menschen verteilen möchte, kam mir als Zweitname Träumesüß in den Sinn.“ „Albrian Träumesüß.“, wiederholte Traumello. „Ja, dass klingt gut.“, meinte er schließlich und klopfte Albrian Träumesüß auf die Schulter. Dann ging es auch schon los.

Mit der Zeit kehrte der Alltag im Mondlichtschloss bei Albrian ein und er verliebte sich unsterblich in Prinzessin Alba Mondschön. So kam es, dass im Schloss schon bald Hochzeit gefeiert wurde.

Die Zeit verging, und Albrian und Alba hielten ihr erstes Kind, ein Mädchen in den Armen. Die kleine Elfe bekam den Namen Lunabella Traumkind.

So verteilten sie stets die schönsten Träume auf der Welt und lebten glücklich und zufrieden.

Vollendet am 14.03.2019

Diese Geschichte ist Teil meiner ersten Facebook Live Lesung, die am 15.03.2019 stattgefunden hat. Das Video ist öffentlich einsehbar.

Inspiriert hat mich Serap, mit ihrer Geschichte vom KARABASAN (Nachtalb)