Die Blume, das Mädchen und der Schmetterling – eine sommerliche Kurzgeschichte

Es war ein heißer Sommertag. Auf der Wiese stand eine Blume. Sie ließ den Kopf hängen. Menschen gingen vorbei, durch den Park, redeten miteinander, starrten auf ihre Smartphones, tröhnten sich die Ohren mit lauter Musik zu, usw. Dabei sangen doch die Vögel so schön ihre Sommerlieder. Sommerblumen blühten duftend. „Sind die Menschen blind für die Schönheit der Natur geworden?“, fragte sich die Blume traurig. „Mach Dir über die Menschen nicht zu viele Gedanken. Sie sind nur daran interessiert, die Natur auszubeuten!“, brummte ein Marienkäfer, der an der Blume und der Wiese vorüber flog. Da ließ die Blume nur noch mehr den Kopf hängen. „Wenn ich könnte, würde ich jetzt weinen!“

Am nächsten Morgen landete ein wunderschöner Schmetterling auf der Blume. Er sprach: „Na, so traurig, Blumenfreundin?“, und die Blume nickte. Aber bevor die Blume noch mehr sagen konnte, stöhnte der Baum über ihr: „Uns ist allen heiß. Da muss man doch nicht traurig sein. Und der nächste Regen kommt bestimmt.“ Der Baum lachte freundlich zur Blume und dem Schmetterling herunter. Die Blume konnte nur müde zurück lächeln.

Vorsichtig umschlang der Schmetterling die Blume mit den Fühlern, so als wollte er sie umarmen. „Dein Grund für die Traurigkeit ist aber bestimmt nicht die Sommerhitze oder, Wiesenblümchen?“, fragte der Schmetterling sanft. „Nein, ich bin traurig, weil die meisten Menschen zu wenig die Natur achten. Sieh Dich nur mal um! Viele meiner Blumenschwestern sind zertrampelt. Zwischen uns Blumen liegt der Müll, den sie auf ihren Ausflügen zurück lassen. Sieh nur, sieh! Und da soll man nicht traurig sein? Mir als Blume schenkt man auch keine Beachtung. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich auch zertrampelt bin, wie meine Weggefährten.“

Kurz nachdem die Blume dem Schmetterling den Grund ihrer Traurigkeit erzählte, kam ein Mädchen auf die Wiese. Zuerst erblickte sie den Schmetterling, dann die Blume und sagte: „Oh, wie schön wäre diese Blume, wenn ihr Köpfchen aufrecht am Stengelchen sein würde! Nicht wahr, lieber Schmetterling?“ Es schien so, als würde der Schmetterling dem Kinde zunicken. Achtsam sah sich die Kleine weiter um und entdeckte den Müll, von dem die Blume gesprochen hatte. „Ach, mir ist eh langweilig, da kann ich wenigstens der Natur etwas gutes tun, und etwas aufräumen.“, sagte das Mädchen zu sich. Und so ging die Kleine mehrmals hin und her, um den Müll einzusammeln, und diesen in die ohnehin vorhandenen Mülleimer zu entsorgen. Dann ging sie zur Blume hin, strich ihr über die Blütenblätter und sagte: „Nun sei nicht mehr traurig. Ich hab Dich lieb, und alles in der Natur. Bei uns Menschen sagt man, um jemanden aufzumuntern, Kopf hoch! Und das gilt auch für Dich, Wiesenblume, Kopf hoch!“

Schließlich blickte die Kleine zum Himmel und sagte:

„Ach, lieber Gott, lass es bitte heut noch regnen,

sollst Blumen und Pflanzen mit Wasser segnen.

Müll weggeräumt hab ich,

nun bitt ich Dich,

wasch Du alles

mit kostbarem Regen rein,

damit danach die Natur in neuem Glanz erstrahlt,

im hellen Sonnenschein.“

Und wahrhaftig! Zum Abend hin zogen dunkle Wolken auf. „Für heute verabschiede ich mich, Blumenfreundin.“, sagte der Schmetterling und flog davon, um sich vor dem nahenden Regenwetter in Sicherheit zu bringen.

Es war aber nicht nur ein Regenwetter, nein, ein richtiges Sommergewitter fegte laut und reinigend über die Wiese hinweg, welches bis in die Nacht hinein andauerte.

Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne. Die Blume reckte und streckte sich. Es fühlte sich alles so rein und frisch an. „Ja, nun will ich aufrecht in der Wiese stehen. „Schmetterling! Wo bist Du?! Sieh mal, wie frisch und rein alles ist!“, rief die Blume. Und wie durch ein Wunder brachte der nährende Regen neue Wiesenblumen hervor, die sich plötzlich aus der Erde trauten. Sie nickten fröhlich mit den Köpfen.

Da kam das Mädchen wieder. Der Schmetterling setzte sich ihr auf die Schulter und flüsterte ihr ins Ohr: „Danke, dass Du meine Blumenfreundin wieder glücklich gemacht hast.“ Sie lächelte. Und in diesem Moment konnte man nicht genau sagen, wer schöner lachte, die Sonne, oder das Kleine Mädchen.

24.07.2019

Der Kleine Winter – ein Gedicht zur Abkühlung ;-)

Der kleine Winter

lebt immerzu

im Eisfach

und der Gefriertruh‘

Während der Sommer vorherrscht

glühend heiß,

behütet der kleine Winter

stets das Eis.

Der kleine Winter

kann den Sommer

gar nicht leiden,

drum möcht er zu viel Wärme

tunlichst meiden.

Und kommt der große Winter wieder

voll kalter Wut,

kümmert sich der kleine Winter

dennoch treu

um Eis

und Gefriergut.

23.07.2019